- Alle großen Carrier haben 2026 die Tarife erhöht, bei DHL liegen Berichte bei bis zu 20 % für das Kleinpaket-Segment.
- Der größte Kostentreiber ist selten der Grundpreis, sondern die Kombination aus Gewichtsklasse, Volumengewicht und Zuschlagslogik.
- Mit einer Sendungsprofil-Analyse findest du in 20 Minuten das Segment, das den größten Hebel hat.
Seit Januar 2026 gelten bei DHL neue Geschäftskundentarife. GLS hat die Listenpreise ebenfalls angezogen, Hermes folgte zum 2. März 2026 mit einer Erhöhung für Päckchen und S-Pakete. DPD verhandelt weiterhin individuell.
Das Problem für Versender: Jeder Carrier rechnet anders. DHL staffelt nach Gewicht, GLS und DPD nach Paketgröße, Hermes nach der Summe aus längster und kürzester Seite. Ein direkter Vergleich auf Basis einzelner Sendungen führt in die Irre.
Dieser Artikel liefert eine Orientierungsmatrix mit öffentlich verfügbaren Listenpreisen, erklärt die Zuschlagslogik der einzelnen Carrier und zeigt, wie du dein eigenes Sendungsprofil systematisch gegen die neuen Tarife prüfst.
Was hat sich bei DHL, GLS, DPD und Hermes 2026 konkret geändert?
DHL hat die Geschäftskundenpreise zum 1. Januar 2026 erhöht. Die genaue Höhe wird individuell verhandelt. Branchenberichte zeigen Steigerungen von rund 9 % für reguläre Pakete und bis zu 20 % für das Kleinpaket-Segment. Der Einstiegspreis für das DHL Kleinpaket (bis 1 kg, Nachfolger der Warenpost) liegt laut DHL-Geschäftskundenportal bei 3,19 € netto.
GLS hat die Privatkundenpreise zuletzt im Herbst 2025 angepasst. GLS staffelt nicht nach Gewicht, sondern nach Paketgröße (Summe aus längster und kürzester Seite). Geschäftskundentarife werden individuell verhandelt.
Hermes hat zum 2. März 2026 die Preise für Päckchen und S-Pakete im Privatversand erhöht. Größere Paketklassen (M, L, XL) blieben national unverändert. Auch bei Hermes wird nach Größe abgerechnet, nicht nach Gewicht.
DPD verhandelt Geschäftskundentarife ebenfalls individuell. Die Größenstaffel läuft über die Summe aus längster und kürzester Seite (S bis 50 cm, M bis 70 cm, L bis 90 cm).

Wie sehen die Listenpreise im Vergleich aus?
Die folgende Matrix zeigt öffentlich verfügbare Listenpreise (Privatkunden / Online-Frankierung) als Orientierung. Geschäftskundenpreise liegen je nach Jahresvolumen typischerweise 30–60 % darunter. Alle Angaben inkl. MwSt., Stand März 2026, ohne Gewähr.
Wichtig: Die Carrier verwenden unterschiedliche Abrechnungsmodelle. DHL rechnet nach Gewicht, GLS, DPD und Hermes primär nach Paketgröße. Für den Vergleich wurden typische Paketmaße pro Gewichtsklasse zugrunde gelegt.
| Gewichtsklasse | DHL (Listenpreis) | GLS (Online/Empfänger) | DPD (Online/Abholung) | Hermes (Online/Haustür) |
|---|---|---|---|---|
| bis 2 kg | 6,19 € (Paket S) / Kleinpaket ab 3,19 € netto (GK) | 4,59 € (XS) – 5,19 € (S) | ca. 6,99 € (S) | 5,19 € (Päckchen) – 5,79 € (S) |
| bis 5 kg | 7,69 € | 6,89 € (M) | ca. 7,99 € (M) | 6,99 € (M) |
| bis 10 kg | 10,49 € | 10,89 € (L) | ca. 9,99 € (L) | 10,49 € (L) |
| bis 31,5 kg | 23,99 € | ab 14,99 € (XL) | ca. 14,99 € (XL) | 17,49 € (XL, bis 25 kg) |
Hinweis: GLS, DPD und Hermes berechnen nach Paketgröße, nicht nach Gewicht. Die Zuordnung zu Gewichtsklassen basiert auf typischen Paketmaßen (z. B. bis 2 kg ≈ 35×25×10 cm, bis 5 kg ≈ 40×30×20 cm). Deine tatsächlichen Kosten können abweichen, wenn dein Verpackungsvolumen größer oder kleiner ausfällt. Alle Angaben ohne Gewähr.
Wie funktioniert Volumengewicht, und warum wird es in bestimmten Klassen teurer?
Volumengewicht ist ein rechnerisches Gewicht auf Basis der Paketmaße. Die Formel bei den meisten Carriern: Länge × Breite × Höhe (in cm) geteilt durch 5.000. Abgerechnet wird das höhere der beiden Werte, also tatsächliches Gewicht oder Volumengewicht.
Das trifft vor allem Versender, die leichte Waren in großen Kartons verschicken: Textilien, Schuhe, Elektronikzubehör mit viel Polstermaterial. Ein Karton mit 50 × 40 × 30 cm wiegt rechnerisch 12 kg, auch wenn nur 2 kg Ware drin liegen.
- DHL wendet Volumengewicht bei Geschäftskunden konsequent an. Seit der Umstellung auf das DHL Kleinpaket gelten feste Maßgrenzen (max. 35 × 25 × 8 cm, max. 1 kg). Wer drüber liegt, landet im regulären Pakettarif.
- GLS, DPD und Hermes rechnen über Paketgröße. Dadurch ist das Volumengewicht implizit enthalten, weil die Preisstufe direkt an den Maßen hängt.
- Seit April 2025 erhebt DHL Korrekturentgelte für falsch deklarierte Maße und Gewichte beim Kleinpaket. Falsche Labels führen zu Nachberechnungen.
Welche Zuschläge entstehen unabhängig vom tatsächlichen Gewicht?
Die Grundpreise sind nur ein Teil der Rechnung. Zuschläge können den Stückpreis deutlich verschieben.
- Peak-Zuschlag (DHL): DHL hat 2025 einen Peak-in-Peak-Zuschlag eingeführt (rund um Black Friday / Cyber Monday). Dieser kommt zum regulären Peak-Zuschlag obendrauf und wird für alle Sendungen im Zeitraum berechnet, unabhängig vom eigenen Aufkommen.
- Sperrgut: DHL berechnet 28,99 € Aufpreis, Hermes 19,95 €. Betrifft jede Sendung, die nicht quaderförmig ist oder Maßgrenzen überschreitet.
- Inselzuschlag: Bei GLS 15 € für bestimmte Inseln, bei DHL und DPD ähnliche Aufschläge für Nord- und Ostseeinseln.
- Korrekturentgelt (DHL): Bei falscher Gewichts- oder Maßangabe beim Kleinpaket erhebt DHL seit April 2025 aktiv Korrekturgebühren.
- Monatspauschale (DHL): Für Geschäftskunden wurde 2025 eine Monatspauschale eingeführt, die bei geringem Volumen den effektiven Stückpreis erhöht.
Wann lohnt sich ein Carrier-Wechsel, und wann nicht?
Ein Wechsel lohnt sich, wenn ein klares Segment deiner Sendungen beim aktuellen Carrier deutlich teurer ist als beim Wettbewerber. Das passiert typischerweise in zwei Situationen:
- Kleinpaket-Segment (bis 2 kg): DHL hat hier die stärksten Erhöhungen. Händler mit hohem Kleinpaketanteil berichten von 16–20 % Steigerung. GLS und DPD können in dieser Klasse günstiger sein, bieten aber kein direkt vergleichbares Kleinpaketprodukt mit Briefkastenzustellung.
- Schwere Pakete (über 10 kg): GLS und DPD liegen bei den Listenpreisen für XL-Sendungen oft unter DHL. Allerdings fehlt bei GLS und DPD das Packstations-Netzwerk von DHL, das die Erstzustellquote beeinflusst.
Kein pauschaler Wechsel-Rat. Stattdessen: Sendungsprofil exportieren, Gewichtsklassen clustern, Stückpreise pro Klasse vergleichen. Das Template unten hilft dabei.
Wie lese ich mein eigenes Sendungsprofil aus und was messe ich darin?
Die meisten Shopsysteme und Versandplattformen (JTL, Billbee, Sendcloud, Shipcloud) können Sendungsdaten als CSV exportieren. Relevant sind drei Felder: tatsächliches Gewicht, Paketmaße (L×B×H) und berechnetes Volumengewicht.
- Schritt 1: Exportiere alle Sendungen der letzten 3 Monate mit Gewicht und Maßen.
- Schritt 2: Ordne jede Sendung einer der vier Gewichtsklassen zu (bis 2 kg, bis 5 kg, bis 10 kg, bis 31,5 kg). Berechne den Anteil pro Klasse.
- Schritt 3: Multipliziere den Anteil mit dem jeweiligen Stückpreis deines aktuellen Carriers. Vergleiche das Ergebnis mit dem Stückpreis des günstigsten Alternativ-Carriers pro Klasse.
Das Ergebnis zeigt dir, in welcher Gewichtsklasse der größte absolute Kostensprung liegt. Genau dort setzt du an, ob mit Nachverhandlung, Carrier-Wechsel oder Verpackungsoptimierung.
Quellen
Sendungsprofil-Analyse 2026: Kostentreiber lokalisieren
Zeigt pro Gewichtsklasse den dominanten Carrier nach aktuellem Tarif und markiert, wo Volumengewicht oder Zuschläge die Abrechnung kippen.
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