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Kartongröße

Zu viele Kartongrößen? So reichen 4–6 für 90 % der Sendungen

Die meisten Versender haben zu viele Kartongrößen und trotzdem Leerraum. Eine Kartonmatrix mit 4–6 Standardformaten löst beides.

verpacking.com
Zu viele Kartongrößen? So reichen 4–6 für 90 % der Sendungen
  • 4–6 Standardkartons reichen für 90 % der Sendungen, wenn du sie richtig wählst.
  • Leerraum kostet pro Sendung dreifach: Füllmaterial, Volumengewicht-Zuschlag und Packzeit.
  • Eine Kartonmatrix macht die Größenwahl am Packplatz zur Routine statt zur Entscheidung.

Die meisten Versender arbeiten mit zu vielen Kartongrößen, und haben trotzdem Leerraum. Eine Kartonmatrix mit 4–6 Standardformaten senkt Füllmaterialverbrauch, Volumengewicht-Zuschläge und Packzeit. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie du die Matrix für dein Sortiment aufbaust und validierst.

Viele Lager arbeiten mit 12 oder mehr Kartongrößen. Trotzdem ist in jeder zweiten Sendung zu viel Luft. Das Problem ist nicht die Anzahl der Größen, sondern dass niemand geprüft hat, welche Größen zum tatsächlichen Sortiment passen.

Wie viele Kartongrößen braucht ein typischer Versender?

Die Antwort hängt von der Sortimentsbreite ab, aber die Faustregel ist: so wenige wie möglich, so viele wie nötig. In den meisten Fällen decken 4–6 Größen rund 90 % aller Sendungen ab.

  • Unter 4 Größen: Du erzwingst Kompromisse. Kleine Artikel landen in großen Kartons, Leerraum und Füllbedarf steigen.
  • Über 8 Größen: Die Packplatz-Entscheidung wird langsamer. Mitarbeiter greifen häufiger zum falschen Karton, besonders unter Zeitdruck in der Peak Season.
  • 4–6 Größen: Der Bereich, in dem Abdeckung und Handhabbarkeit im Gleichgewicht sind. Jede Größe hat eine klare Zuordnung, die Entscheidung am Packplatz dauert Sekunden.

Entscheidend ist nicht, wie viele Größen du hast, sondern ob jede Größe eine echte Aufgabe im Sortiment erfüllt.

Was kostet Leerraum pro Sendung wirklich?

Leerraum schlägt an drei Stellen gleichzeitig zu. Die meisten Versender sehen nur die Füllmaterialkosten, unterschätzen aber die beiden anderen Posten.

  • Füllmaterial: Je mehr Luft im Karton, desto mehr Papier, Polster oder Luftkissen brauchst du. Bei 500 Sendungen pro Tag und 0,15 € Füllmaterial pro Sendung sind das über 1.500 € im Monat.
  • Volumengewicht: Paketdienstleister rechnen mit dem höheren Wert aus Realgewicht und Volumengewicht ab. Ein Karton mit 40 % Leerraum kann im Abrechnungsgewicht eine Stufe höher landen, ohne dass sich am Inhalt etwas ändert.
  • Packzeit: Wer den richtigen Karton suchen oder nachpolstern muss, braucht pro Sendung 15–30 Sekunden länger. Auf einen Tag gerechnet sind das Stunden.

Karton mit 40 Prozent Leerraum neben passend gewähltem Karton mit minimalem Leerraum

Wenn du weißt, dass Leerraum an allen drei Stellen kostet, wird klar: Die Kartonauswahl ist kein Nebenproblem, sondern ein Stellhebel für die Stückkosten.

Wie baut man eine Kartonmatrix für das eigene Sortiment auf?

Du brauchst drei Schritte: Sortiment vermessen, Cluster bilden, Größen festlegen.

  1. Sortiment vermessen: Miss die 20 häufigsten Produkte (oder Produktkombinationen) in L × B × H. Nimm das Produkt inklusive Schutzmaterial, nicht nur das nackte Produkt.
  2. Cluster bilden: Gruppiere die Maße nach Volumen. In der Regel ergeben sich 4–6 natürliche Cluster, bei denen die Produkte ähnlich groß sind.
  3. Standardgröße pro Cluster: Wähle für jedes Cluster einen Karton, der das größte Produkt im Cluster aufnimmt, aber nicht mehr als 20 % Leerraum lässt. Damit definierst du deine Matrix.

Die folgende Beispielmatrix zeigt, wie das Ergebnis aussehen kann. Die Innenmaße sind als Referenz gedacht. Für dein Sortiment passt du die Werte in der Vorlage an.

Größe Innenmaß (L × B × H) Typisches Produkt Leerraum-Klasse Füllbedarf
XS 200 × 150 × 100 mm Kleinteile, Accessoires, Ersatzteile Gering (unter 10 %) Keiner oder Seidenpapier
S 300 × 220 × 150 mm Bücher, Textil-Einzelstücke, flache Elektronik Gering bis mittel (10–20 %) Packpapier
M 400 × 300 × 200 mm Schuhe, Mehrfachbestellungen, mittlere Geräte Mittel (15–25 %) Packpapier oder Luftkissen
L 500 × 400 × 300 mm Großbestellungen, sperrige Einzelartikel Mittel bis hoch (20–35 %) Luftkissen oder Polstermatten
XL 600 × 400 × 400 mm Großgeräte, Mehrfachpacks, Saisonartikel Hoch (über 25 %) Polstermatten oder Formpolster

Die Größen XS bis XL sind gängige Faltkarton-Formate, die bei den meisten Verpackungslieferanten als Standardware verfügbar sind. Wenn du mit Faltkartons in diesen Bereichen arbeitest, entfallen lange Lieferzeiten und Mindestmengen für Sondermaße.

Wann lohnt sich ein Sondermaß, und wann nicht?

Ein Sondermaß ist dann sinnvoll, wenn ein Produkt in hoher Stückzahl versandt wird und kein Standardkarton den Leerraum unter 15 % bringt. In allen anderen Fällen überwiegen die Nachteile.

  • Sondermaß lohnt sich: Ein Produkt macht über 20 % deines Versandvolumens aus, der nächstpassende Standardkarton hat über 30 % Leerraum, und die Mindestabnahme des Sondermaßes liegt innerhalb deines Quartalsbedarfs.
  • Sondermaß lohnt sich nicht: Das Produkt wird nur gelegentlich versandt, die Leerraum-Differenz zum Standardkarton liegt unter 15 %, oder du müsstest eine Jahresabnahme auf Lager legen.

Die Kartonmatrix hilft dir auch bei dieser Entscheidung. Wenn ein Produkt in keiner deiner 4–6 Standardgrößen gut aufgehoben ist und trotzdem hohe Stückzahlen hat, ist das ein Signal für ein Sondermaß. Alles andere packst du in die nächstgrößere Standardgröße und polsterst den Rest.

Welche Standardgrößen decken die meisten Sendungsprofile ab?

Es gibt keine universelle Antwort, aber es gibt ein Muster. Die meisten E-Commerce-Versender kommen mit einer Abstufung in 100-mm-Schritten gut zurecht, beginnend bei ca. 200 mm Innenlänge bis ca. 600 mm.

  • Starte mit deinem häufigsten Artikel und wähle den kleinsten Karton, der passt.
  • Arbeite dich in Schritten nach oben. Jede neue Größe muss eine Produktgruppe abdecken, die in der vorherigen Größe nicht passt.
  • Prüfe am Ende: Gibt es eine Größe, die weniger als 5 % deiner Sendungen abdeckt? Dann streich sie und verteile die Produkte auf die benachbarten Größen.

Wie validierst du die Matrix nach dem Aufbau?

Eine Matrix, die du einmal planst, aber nie prüfst, bleibt Theorie. Starte mit 5 Größen (XS bis XL) und tracke vier Wochen lang den tatsächlichen Füllbedarf pro Größe.

  • Notiere pro Größe, wie oft sie genutzt wird und wie viel Leerraum tatsächlich übrig bleibt.
  • Jede Größe, die unter 5 % der Sendungen abdeckt, ist ein Streichkandidat. Verteile deren Produkte auf die benachbarten Größen.
  • Jede Größe, bei der regelmäßig über 30 % Leerraum entsteht, braucht ein kleineres Zwischenformat oder eine Anpassung des Innenmaßes.

Nach der Validierung hängst du die finale Matrix am Packplatz aus. Die Zuordnung "Produkt → Kartongröße" muss für jeden Mitarbeiter in Sekunden erkennbar sein. Keine Rückfragen, kein Nachdenken.

Kartongrößen-Matrix – Entscheidungshilfe

Leere Matrix zum Ausfüllen mit deinem Sortiment: Standardgrößen, Produktzuordnung, Leerraum-Klasse und Füllbedarf auf einen Blick.

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